Gelbes Bein mit Fuß

Heimatministerium*

Vernissage

23.06. um 19 Uhr


Zeitraum

24.06.23 ➔ 02.07.23

Galvani Galerie*

Vernissage

18.06. um 16 Uhr


Zeitraum

19.06.23 ➔ 09.07.23

Akademie Galerie*

Vernissage

24.06. um 19 Uhr


Zeitraum

25.06.23 ➔ 23.07.23


Die Postgarde des Nürnberger Haufens.
Zeitungsbericht in 7 Blättern.

Wie ein Auftritt auf eine Bühne, nur kamen sie viel zu spät, immerhin hatten die ersten Kämpfe Anfang des 16. Jahrhunderts begonnen. Damals, vor 500 Jahren, im Februar und März 1525, während des Bauernkrieges, schlossen sich bewaffnete Gruppen von weniger Privilegierten und Leibeigenen zu sogenannten Bauernhaufen zusammen. Es gab den Baltringer Haufen, den Seehaufen oder den Allgäuer Haufen. Der größte war der Baltringer Haufen: mehr als 12.000 Bauern, Bürger und Geistliche sammelten sich innerhalb weniger Tage im Baltringer Ried in der Nähe von Biberach.

Ein Großteil der Bewegungen wurde aufwandslos niedergeschlagen, aber es gab auch Verhandlungen die um 12 Forderungen kreisten, die von den Haufen gestellt wurden. Darunter fasste sich die Zurückführung des Waldes in Gemeinschaftsbesitz, die selbstbestimmte Einsetzung von Pfarrern oder die Abschaffung der Leibeigenschaft.
Natürlich bedeutet das damalige Ende der Aufstände mit Nichten das Ende der Haufen. Viele führten ihre Kämpfe noch Jahrhunderte lang weiter, an vielen Orten und mit vielen Bestimmungen. So auch der Nürnberger Haufen, ein unwichtigerer, eher schmächtiger Pulk, sehr schlecht organisiert, sodass kaum etwas über ihn bekannt ist.

Die Postgarde des Nürnberger Haufens, die gerade eingetroffen ist, berichtet allerdings: Besprochene Strategie der letzten 500 Jahre sei immer gewesen, der Großteil der Gruppe stürmt in den Angriff.
Manchmal hat es geklappt aber eigentlich wurde immer Verloren. Dann, zum Anfang des letzten Jahrhunderts änderte sich die Aufstellung. Jetzt gab es eine Vorhut, die als Kopf der Aktionen voran ins Gefecht stürzt. Die Nachhut, die greift dann ein wenn es brenzlig wird und sichert vor allem einen Rückzug, falls nötig. Das klappte dann ganz fein, vor allem in den 60er Jahren gab es große Erfolge, die aber ergaben, dass die Besetzung der Avantgarde wunderswerterweise verschwand, dennoch komisch präsent war und trotz allem: weiterkämpfte.

Es ist jetzt schon ein ulkiger Anblick, die schlurfende Gruppe die kaum schreitet eher wandelt. Sie tragen handgewebte Umhänge in allen Farben, aber das weil die ohne Schnitte übergeworfenen Tücher geschickt verdecken können, wie den Gestalten selbst eine einheitliche Form fehlt. Es wirkt fast so, als ob unter dem Mantel die Körper sich dauernd verformen oder durch ihre eigene Bewegung neu geformt werden. Allen ist gleich eine Ohnmacht gegenüber dem was sie begegnen wie ins Gesicht geschrieben und beim besten willen lässt sich keine Figur erkennen die eine Richtung vorgeben könnte, so ratlos blicken alle Augen gleich auf das versengte Feld vor ihnen.

Unbrauchbar, eine Trash Armee, viel zu spät zum Kampf ums Neue, „nach vorne“. Sogar viel zu spät um einen Rückzug zu sichern oder Verletze zu retten. Irgendwer hatte anscheinend besseres zu tun, es hat noch gedauert, jetzt sind wir ja da - aber wo sind die anderen?
Lodernd hat der Platz vor der Postgarde gebrannt, irgendwann einmal. Jetzt ist nur eine dicke Schicht Asche vor ihren Füßen. Zu schwer und klebrig um sie mit den Stiefel aufzuwirbeln. Eben, gleichmäßig und dunkel bis zum Horizont.

Aber da ist etwas, ein Helm! Wie ein Symbol für die etlichen Aktionen der letzten Jahrhunderte. Sie holen ihn aus dem Schlamm. Ein Teil einer Rüstung, dort liegt noch ein Harnisch. Die Postgarde durchströmt das Feld und findet allerlei Mittel mit denen um Originelles und junge Formen gekämpft wurden. Sie legen die Stücke an, bewegen ihre Körper lustig, spielen sich den Kampf nocheinmal vor, fast lebendig wirken diese Überreste, nur passen sie nicht so recht, oder ist es einfach nicht die richtige Stelle?

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